| Freiheit auf acht Rollen |
| Geschrieben von Administrator | |
| Freitag, 30. März 2007 | |
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Von Barbara Lässig und Andreas Rautert Als Anfang der 90ziger Jahre in San Francisco einige Einzelkämpfer auf den damals als Neuheit auf den Markt geworfenen Rollerblades dem Sonnenuntergang entgegenstrebten, konnte man noch nicht ahnen, welchen Stellenwert diese Sportart nur wenige Jahre später einnehmen sollte. Zu den wenigen Einzelkämpfern gesellten sich sehr schnell mehr und mehr Skatebegeisterte und die erste Bladenight war geboren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Welle der Begeisterung auch nach Europa schwappen sollte. Mit Paris fand sich schließlich auch die erste europäische Stadt, welche in regelmäßigen Abständen Straßen für Inlineskater absperrte und die Freiheit auf acht Rollen ermöglichte. Ein Reportage der ARD brachte diese Begeisterung auch in die sächsische Landeshauptstadt nach Dresden. Die Dresdner Stadträtin Barbara Lässig war von diesem Bericht begeistert und begann mit der Planung und Organisation eines solchen Events. Am 8. Mai 1998, die Stadt befand sich an diesem sommerlichen Pfingstfreitag wieder einmal im Dixilandfieber, war es dann endlich soweit. Als erste deutsche Stadt vollführte Dresden den Startschuß zu einer regelmäßig stattfindenden Skateveranstaltung – dem Dresdner Nachtskaten.
Keiner sollte ahnen, dass sich dieser Sport zum Trend entwickelte. Nach und nach zogen auch andere deutsche Städte dem Vorbild Dresdens nach. Der heute größten Veranstaltung dieser Art – der Münchener Bladenight – leistete die Dresdner Delegation sogar Schützenhilfe, entsandte Ordner und gab Tipps zur Organisation. Christian Ude, Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt, empfing die sächsische Delegation und sagte damals: „Straßen sind nicht nur für Autos, sondern sie sind auch ein Aufenthalts- und Erlebnisraum für Menschen“. Doch nicht nur in München findet dieser Sport regen Anklang. Deutsche Metropolen wie Frankfurt (Main) und Stuttgart etablierten inzwischen ebenfalls eine Bladenight. In der regelmäßig erscheinenden Publikation von „Green City“ in München wird bezüglich der Bladenights jetzt bereits vom größten einzelnen Freizeitsportangebot Europas gesprochen. Tatsächlich rollen deutschlandweit in mehr als 80 Städten Millionen von Menschen durch die City.
Auch in Dresden hat sich seit dem Start vor mittlerweile fast 6 Jahren einiges getan. Anfangs hatte das kleine Team von Organisatoren mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Besonders die Finanzierung der stetig an Beliebtheit gewinnenden Veranstaltung stellte die Verantwortlichen vor eine große Herausforderung. So wurde das Event im Gründungsjahr als Demonstration durchgeführt. In den Folgejahren hielt man sich durch Kleinsponsoren über Wasser – stets am Limit des Machbaren. Doch der gute Ruf, die professionelle Organisation, die langjährige Tradition mit der damit verbundenen Erfahrung und das breite Teilnehmerspektrum erregten die Aufmerksamkeit größerer Firmen für das Dresdner Nachtskaten. So konnte 2001 über einen Vermarkter mit NOKIA ein innovatives und international tätiges Unternehmen als Haupt- und Namenssponsor gewonnen werden, im darauffolgenden Jahr freuten sich die Organisatoren, die Balisto-Bladenight durchführen zu können. Somit konnten gerade in der Öffentlichkeitsarbeit durch den Druck von Plakaten und Flyern, Radiospots und einem bunten Rahmenprogramm große Fortschritte erzielt werden.
Auch das Spektrum der Teilnehmer wächst mit jedem Jahr und ist breit gestreut. Von 9 bis 70 Jahren ist jede Altersgruppe vertreten. Eine Teilnehmerumfrage im Jahr 2003 ergab, dass 62,4% der Teilnehmer aus Dresden kommen. Aus dem Umland bis 50 km Entfernung reisen 34,3% an und 3,2 % der Teilnehmer wohnen mehr als 50 km vom Veranstaltungsort entfernt. Da Dresden der einzige Standort mit einer regelmäßig stattfindenden Veranstaltung dieser Art ist, reicht das Einzugsgebiet von der Lausitz über Thüringen bis hin in die alten Bundesländer und könnte der Stadt weitere Synergieeffekte bescheren. Geskatet wird auf öffentlichen Straßen, welche punktuell für den fließenden Verkehr gesperrt wird. Für die Organisation der Veranstaltung wurde der Förderverein Dresden skatet e.V. gegründet, dem derzeit etwa 20 Mitglieder angehören. Die Organisation des Veranstaltung lastet jedoch nach wie vor auf wenigen Schultern. Dennoch kann durch eine wohl durchdachte Logistik und eine gründlich geplante Durchführung die Sicherheit für die Teilnehmer gewährleistet werden. Durch einen Ordnerpool von 50 Jugendlichen ist es dem Förderverein möglich, selbst für die Absicherung der Veranstaltung Sorge zu tragen. Zusammen mit der Dresdner Polizei, welche sich lediglich um die punktuelle Absperrungen der Kreuzungen kümmern muss hat sich ein reibungsloser Ablauf entwickelt. Generell herrscht ein konstruktives Miteinander und eine wohltuende, kameradschaftliche Atmosphäre zwischen allen Beteiligten.
Durchschnittlich finden sich jeden Freitag zwischen April und Oktober etwa 5000 Skater am Treffpunkt an der Halfpipe St. Petersburger Straße ein, um die etwa 20 km lange Strecke unter die Rollen zu nehmen. Im letzten Jahr zählten die Veranstalter bei 20 Veranstaltungen 80.200 Teilnehmer, welche insgesamt 495 km zurücklegten. Seit dem Startschuß 1998 wurden von insgesamt 420.700 Teilnehmern 123 Touren mit einer Gesamtstrecke von 2.515 km gefahren.
Einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde sicherten sich die Dresdner Nachtskater im Juni 2000. Im Großen Garten trafen sich 8000 Skater und Rollstuhlfahrer und bildeten eine kilometerlange (angefasste) rollende Kette. Seit dem Jahr 2000 bietet der Förderverein Dresden skatet e.V. den Skatern ein weiteres Highlight. An drei Abenden der Saison heißt es „Gib Gummi“. Dann nämlich können die Teilnehmer einmal so richtig Gas geben. Der Eurospeedway Lausitz, sonst das Domizil für große Motorsportevents wie z.B. die Champ-Cars-Serie, öffnet seine Pforten für die Skater. Auf der Grand-Prix-Strecke des Kurses können die Teilnehmer ohne lästige Schlaglöcher, Straßenbahnschienen oder rücksichtslose Autofahrer ihre Runden drehen. Wie auch beim Nachtskaten selbst, sorgt ein DJ für ausgelassene Stimmung und den richtigen Sound, für das leibliche Wohl sorgt ein eingespieltes Catering-Team. Ob man nun gemütlich seine Runden dreht oder den ein oder anderen Geschwindigkeitsrekord zu knacken versucht, bleibt dem Teilnehmer überlassen. Durch das weitläufige Areal sind damit sowohl Profis als auch Anfänger bestens aufgehoben.
Auch in diesem Jahr planen die Macher in Dresden ein weiteres Skate-Highlight. Um die Leipziger Bewerbung für die olympischen Spiele 2012 zu unterstützen, wird am 11. Juni 2004 ein Dresdner Nachtskaten für Olympia stattfinden. Gemeinsam mit der Leipziger Olympia GmbH haben es sich die Veranstalter zum Ziel gesetzt, 20.000 Skaterinnen und Skater aus ganz Deutschland für diese Aktion zu begeistern und nach Dresden einzuladen. Dazu sollen alle deutschen Städte, welche eine Bladenight durchführen, eingeladen werden und der Event überregional beworben werden. Derzeit laufen die Vorbereitungen dazu auf Hochtouren. Informationen zum Event gibt es in den kommenden Monaten auf der offiziellen Homepage des Vereins Dresden skatet e.V. www.nachtskaten-dresden.de
Freiheit auf acht Rollen, die Innenstädte als Lebensraum und Sportstätte, diese Visionen sind in Dresden seit nunmehr 6 Jahren Realität. Die Skater gehören mittlerweile zum Stadtbild und werden von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert. Mit dem Sport pulsiert die Stadt – denn Dresden rollt und was machst Du? |
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| Letzte Aktualisierung ( Freitag, 30. März 2007 ) |